Jäger und Sammler

Vor zwei Tagen wollten wir abends nur schnell an den Deich noch eine kleine Runde spazieren gehen.

Nach einer guten Stunde zerrte mich der Gatte an den Haaren von Deich, weil er der Meinung war, ich wir hätten genug Wollgespenster Wollflocken gejagt …

Ich habe keine Ahnung wie viel Gramm das sind, aber es hat viel Spaß gemacht die Wollgespenster aufzusammeln.

Noch gespannter bin ich, was nach Waschen, Kardieren und Spinnen dabei herauskommt.

Da ich den Hals nie voll kriege, sind wir vorhin auf den Deich direkt vor unserem Balkon gestiegen … den habe ich bisher gemieden, damit ich den Spatzen ihre Nestpolsterung nicht stibitzen wollte … und wollten Wollflocken jagen. Gab aber keine Wollflocken. Die Schafe tragen ihr Haar zu kurz, um Wollflocken zu produzieren.

Schade, aber nicht schlimm. Wir haben hier noch zwei Tage und es gibt andere Deiche und andere Schafe.

Dafür haben wir Teile unseres des morgigen Geburtstagsessen für den Gatten, der jetzt echt steinalt wird, erlegt:

Queller oder auch Salicornia.

So lecker frisch aus dem Watt. Könnte ich jetzt so wegknuspern.
Gibt es aber erst morgen zu Fisch & Bacon & gebratenen Spargel & Kartoffeln.

Jetzt geh ich kochen – Chili sin Carne. Auch sehr lecker, wenn man Chinoa mag.

Meine Mutter …

… hat in vierzehn Tagen … in dreizehn Tagen Geburtstag. Weil ich eine nette Tochter bin oder zumindest vorgebe zeitweise eine nette Tochter zu sein, habe ich mir frühzeitig überlegt, dass ich sie zu ihrem Geburtstag besuche, ihr mittags etwas zu essen mache, idealerweise ein wenig mit ihr plaudere, was schon immer schwer fällt, weil sie eigentlich nicht mit mir redet, wenn ich da bin und dann wieder nach Hause fahre.

Frühzeitig überlege ich mir solche Dinge, damit die Bahnfahrt nicht so teuer wird. Dieses Mal hatte ich nur relatives Glück mit den Bahntickets. Zurückfahre ich tatsächlich günstig, hin ist es so ein Mittelding. Gut pro Fahrt kommen immer noch vierfufzig für die Sitzplatzreservierung dazu. Purer Luxus, aber ich mag es, wenn ich beim Einsteigen schon weiß, wo ich sitze.

Als ich vor vierzehn Tagen bei meiner Mutter war, habe ich ihr erzählt, dass ich zu ihrem Geburtstag komme. Eine Reaktion gab es eher nicht, aber das ist nichts Ungewöhnliches. Bis zu ihrem Geburtstag waren es ja noch vier Wochen und sie musste sich darauf konzentrieren, was ich ihr einkaufen soll. Wahrscheinlich hat sie mit sich gerungen, ob sie sich traut mir zu sagen, dass ich ihr eine Flasche Schnaps mitbringen soll (sie traute sich nicht).

Letzte Woche hat mir meine Mutter bei einem unserer morgendlichen Telefonate gesagt, dass ich zu ihrem Geburtstag nicht kommen und ihr auch nichts zu essen machen soll. Sie isst sowieso nicht mehr so viel und überhaupt. Als ich ihr dann erzählte, dass ich die Fahrkarten schon hätte, wurde mir milde zugestanden, dass ich sie besuchen dürfte, aber bloß nichts zu essen machen soll. Und in Zukunft muss ich sie nicht extra besuchen kommen. Ich kann vorbeikommen, wenn ich sowieso etwas in Berlin zu tun habe.

Eine klare Ansage.
Eine wie gewohnt sehr liebevolle und meine Person und mein Tun sehr wertschätzende Ansage. Ich fühlte mich so richtig gut dabei.

Ich habe ihr dann noch gesagt, dass ich sie an ihrem Geburtstag nicht besuchen kommen muss. Ich kann die Stunden in Berlin auch anders verbringen. Zum Beispiel in den Zoo oder Tierpark gehen. Die Tiere freuen sich eventuell über meinen Besuch.

Nach der Erkenntnis, dass ich und mein Tun als Geburtstagsgeschenk nicht willkommen und nicht sicher auch nicht ausreichend sind, habe ich mir nun Gedanken darüber gemacht, was ich ihr zum Geburtstag schenken kann. Mir fiel ein, das sie mir vor Kurzem erzählt hatte, dass sie sich eine Greifzange kaufen möchte. So ein Ding um Dinge ohne Bücken aufheben zu können oder etwas aus der Höhe greifen zu können. Da ich nicht wusste, ob sie das getan hat, habe ich sie heute gefragt, ob es getan hat.

Nein, hat sie nicht. Sie hat keine bekommen, sagte sie.
„Fein“, habe ich gesagt, „dann schenke ich/wir dir eine zum Geburtstag“.
Daraufhin erwiderte meine Mutter: „Oh! Da freue ich mich drauf und auf die Eierrolle, die du mir machst, freue ich mich auch.“

Da musste ich ihr dann leider widersprechen – „Ich mache dir keine Eierrolle. Ich soll für dich nicht kochen, hast du gesagt. Ich darf doch auch nur kommen, weil ich die Fahrkarten schon habe.“

Diese simple Feststellung, der von ihr selbstbestimmten Tatsachen brachte viel Stimmung ins Telefonat. Jetzt bin ich natürlich albern. Die mit dem Dickkopf. Die Böse. Die Doofe. Die, die spinnt.

Mag sein, aber ich halte mich nur an die Ansagen. Ich habe mir das nicht ausgedacht.
Ja, ich bin jetzt stur, aber ich werde meiner Mutter an diesem Tag bestimmt nichts kochen. Sie wollte nicht.
Vielleicht nehme ich ihr etwas von hier mit. Am Vortag gibt es bei uns sowieso abends eine Eierrolle oder irgendetwas Ambulantes, weil wir nach des Gatten Tageswerk ins Schwimmbad gehen und erst spät am Abend noch eine Kleinigkeit essen. Davon kann ich etwas mehr machen und am nächsten Morgen mitnehmen.