Ich könnte heute ein paar gedrückte Daumen gebrauchen!

Warum?

Damit der Sturm keinen Baum auf die Gleise kippt und mich heute Mittag (13:23 Uhr) der ICE von Berlin nach Hamburg bringt. Möglichst auch ohne Umwege.
Ich wurde erst das letzte Mal wegen eines Notarzteinsatzes am Gleis in Höhe Büchen, was nichts anderes bedeutet als schon wieder mal ein Selbstmörder, der einem Lokführer das Leben schwer macht, in Wittenberge gestoppt, gewendet und nach Stendal zurückexpediert, um von dort über Uelzen, dort hielten wir ein weiteres Mal, weil der Lokführer getauscht werden musste, weil seine erlaubte Fahrzeit ausgeschöpft war, nach Hamburg umgeleitet. Das brachte mir etwas über zwei Stunden Verspätung und ein Bahnwasser, ab 60 Minuten Verspätung gibt es kostenlos ein Wasser von der Bahn, ein. Und die heftigsten Hüftschmerzen, die ich seit langer Zeit hatte. Ich habe in der Nacht so gut wie kein Auge zugemacht, weil ich vor Schmerzen nicht wusste, wie ich liegen soll. Würde ich Ibuprufen vertragen, hätte ich sicherlich die ganze Packung leergefressen in der Hoffnung, dass es die Schmerzen lindert. Muss ich nicht so schnell wiederhaben.

Also bitte heute einmal Daumen drücken oder an den Gleisen stehen und die Bäume festhalten. Danke schön!

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Die Sache mit der Wahrnehmung

Gestern Abend war Reisetag.
19:28 Uhr ab Südkreuz per ICE nach Hamburg – an 21:24 Uhr. Wer rechnen kann – reine Fahrtzeit … gut mit Zwischenhalt Berlin Hauptbahnhof, dort steht er zehn Minuten rum und Berlin Spandau, dort gönnt er den Reisenden gerade mal zwei Minuten zum Raus- und Reinspringen … nicht mal zwei Stunden. An sich nicht viel, aber zwei Stunden können sich deutlich unterschiedlich anfühlen.

Gestern hatte ich die zähe Variante erwischt. Vielleicht lag es daran, dass ich abends gefahren bin. Ich müde war. Es warm war. Daran, dass ich deutlich früher losgefahren bin, um pünktlich am Südkreuz zu sein, weil bei der S-Bahn mal wieder irgendetwas nicht so war, wie es sein sollte. Die Ringbahn unregelmäßig fuhr. Den Bus zur S-Bahn hatte ich gestrichen, weil der mal wieder mehr nicht fuhr als fuhr und so vertraute ich meinen Füßen den Weg an. Ging sich prima.

Natürlich war ich auf Grund dieser weisen Voraussichten viel zu früh … eine gute halbe Stunde … am Bahnhof. Das macht aber nichts. Auf dem Bahnhof gibt es immer etwas zu kucken. Erst mal setzen und die Zuganzeigen lesen … mmmhmm … der EC aus Praha nach Hamburg ab 18:52 Uhr +35 später. Uh! Nicht schön, aber nicht meiner.
Der IC aus Frankfurt +20 später. Auch nicht meiner. Gut.
ICE 1206 – 19:28 Uhr. Sehr schön. Hauptsache mein Zug ist pünktlich.

Während ich mir diese Informationen einverleibte, kam auf dem Gleis hinter mir ein IC aus Hamburg an, der am Südkreuz planmäßig endete. An sich planmäßig, aber leider verendete er … also die Lok genau im Bahnsteig. Super! Damit war dieses Gleis erst mal blockiert, aber es gab viel zu sehen … ratlose Gesichter, Dampf, nee, war keine Dampflok, machte trotzdem Dampf und zu hören. Ich weiß nicht, muss ich auch nicht, war schließlich nicht direkt daran beteiligt – nur Zuschauer, was sie alles entlüftet haben, aber es kam eine Menge Luft und das sehr lautstark.
Irgendwann kam der IC aus Frankfurt, spuckte Menschen aus, fuhr weiter. Bei der Gelegenheit sah ich, dass sich mein Zug nun auch um +5 verspätet. Schmoll! Daran war bestimmt nur der blöde EC schuld. Schließlich nutzt der dieselben Gleise und ist dem ICE voraus. Aber was sind schon fünf Minuten!? Ich steckte meine Nase wieder in mein Buch, lauschte nebenbei dem OmaEnkelgespräch neben mir und nahm zur Kenntnis, dass sie hinter mir zuerst Lok und dann Wagen weggetragen hatten. Das Gleis somit wieder frei war … zog ganz schön im Rücken ;-).
Dann setzten sich Oma und Enkel in Bewegung, weil der EC angekündigt wurde. Ziemlich genau pünktlich verspätet. Das muss man erstmal hinkriegen. Als der Zug einfuhr stellte ich fest, dass mein Zug von der Anzeigetafel verschwunden war. Der sollte nach dem EC auf dem Gleis erscheinen. Leicht irritiert drehte ich mich zur Anzeigetafel des Nachbargleise um und tatsächlich da stand er jetzt dran und kam auch schon … ganz ohne Ansage.
Aus der Tür meines Wagens quollen ganz viele fröhlich schwatzende Chinesen. Es waren noch nicht alle herausgequollen, da machte die fröhlich schwatzende Meute … eigentlich kicherten sie inzwischen mehr … eine Kehrtwendung und quoll in den Wagen zurück. Naja, kann sich ja jeder mal irren und nach dem ich sie von meinem Platz vertrieben hatte, war es mir auch egal, wo sie weiter kicherten und schwatzten.
In der Hoffnung, dass sich dann niemand neben mich setzt, platzierte ich eine liegengebliebene Zeitung auf dem Nachbarsitz. Hat aber nicht geholfen. Ich scheine zu nett auszusehen. Ich kriege immer einen Sitznachbarn, während andere leer ausgehen. Das ist irgendwie fies und gemein. Immerhin hatte ich bis auf einmal immer Glück keine Schwätzer zu erwischen. Ich rede nämlich nicht mit jedem …
Gestern erwischte mich eine junge Frau, die übelriechendes Sushi aß, Club Mate trank und hektisch auf der Tastatur ihres Apfels herumtippe … etwas weniger Geschwindigkeit hätte sicher zu einer genaueren Trefferzahl der richtigen Buchstaben geführt, somit das ewige Korrigieren erspart und wäre dann doch schneller gegangen – ist ja aber nicht mein Problem.
Die Zugfahrt zog sich. Die Zugfahrt dauerte und dauerte und wann immer ich auf die Anzeige schaute kroch er mit 124 bis 130 Stundenkilometern über die Gleise. In Wittenberge, was ungefähr die Hälfte ist, hatte ich schon keine Lust mehr, extremes Hüftweh, war müde, konnte aber nicht schlafen … lags am Tippen neben mir? Egal.
Irgendwann kamen wir auch noch in eine Gewitter mit viel Regen und der Zug wurde noch langsamer. Seltsamerweise verkündete meine App bei jeder meiner Nachfragen, dass wir, bis auf zwei Minuten, pünktlich in Hamburg sein werden … das konnte gefühlt gar nicht sein.

In der Tat waren wir dann pünktlich zwei Minuten verspätet in Hamburg. Es ist schon seltsam mit der eigenen Wahrnehmung. Denn so zäh wie sich die Fahrt für mich anfühlte, konnte sie eindeutig nicht gewesen.

Kommt jemand mit raus Spielen …

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… äh … Plaudern?

Hier geht es gerade so … ja, nicht schlecht, aber könnte besser sein, wenn es ein anderer Balkon und eine andere Stadt wäre, aber für einen Montag und nach einer Fahrt mit dem ICE von A nach B, naja … um genau zu sein – der ICE fährt natürlich nur von HH nach B, für den Anfang oder das Ende, je nachdem von wo man kommt oder wo man hin will, muss man die Regionalbahn bemühen … ist es, wie schon gesagt, nicht so schlecht. Vor allem nicht zu warm und ausnahmsweise ist es auch mal nicht schwül in Berlin … schnell XXX mach.

Ha! Ich freue mich schon. Dieses Mal sind es nur neun Tage (als ich dem Gatten sagte, dass ich schon Dienstagabend komme und nicht erst Mittwochnachmittag, wie geplant und anfügte, dass ich das tue, damit ich schon am Mittwochmorgen im Bett bleiben kann, während er zur Arbeit muss, schüttelte er geschlagen grinsend Kopf und meinte, dass man gegen dieses Argument nichts sagen kann … er freut sich aber trotzdem) bis ich das nächste Mal den Zug besteigen darf und hoffentlich per Express von B nach A gebracht werde. Ich muss gestehen, dass ich nach nun fast fünfeinhalb Jahren des Hin – und Herfahren müde bin.
Zuerst fuhr ich die Strecke noch per Anhalter durch die Galaxis Bus, was noch einmal zwei Stunden mehr in ein Fahrzeug eingequetschte Lebenszeit bedeutete. In den Anfängen des mit der Bahn fahren habe ich mich entfaltet, aber das hält nicht ewig. Außerdem scheinen die Züge immer voller zu werden. Oder die Menschen fahren immer nur mit den Zügen, die ich benutze … alle anderen Züge sind leer …  ja, bestimmt ist das so und bestimmt tun sie das aus lauter Sympathie. Es ist zum Beispiel auch so – sind noch fünf Plätze leer im Wagen, setzt sich garantiert zielstrebigst irgendein Trottel Mensch neben mich, alle anderen gehen leer aus haben ganz viel Platz und dürfen alleine sitzen … ich fand das Spiel „Mein rechter Platz ist leer, ich wünsche mir blablabla her“ schon immer doof …

Das Ende ist aber in Sicht. Ich habe das Jahresende, weil mich die SchwesterChefin fragte, als möglichen Endpunkt avisiert. Das könnte in der Tat klappen, weil das Kind die erste Zulassung fürs Studium bekommen hat. Es ist zwar nicht die Wunschhochschule, wäre aber auch okay. Mit ein bisschen Glück klappt es auch noch mit der Wunschhochschule. Dann ist das Kind im Herbst von der Straße und ich kann meiner Wege ziehen. So weit der Wunsch und der Plan.
Meine Gefühle dazu sind in der Tat sehr gemischt. Zum einen bin ich sehr vorfreudig und kann es kaum erwarten, zum anderen drückt mich das schlechte Gewissen. Ja, blöd. Ich weiß. Das Kind ist groß und muss alleine … und kann er auch, weiß ich. Die SchwesterChefin wird auch ohne mich überleben und meine Mutter macht das schon. Ist die Komfortzone zwar nicht mehr so groß, aber irgendwie geht das schon. Im Zweifelsfall droht sie wieder damit gegen eine Mauer zu fahren … womit auch immer, das Auto hat sie zum Glück schon abgegeben und mit dem Rollator kriegt sie nicht genug Speed drauf.

Ich glaube, ich geh jetzt noch etwas Sinnvolles … das erste an diesem Tag … tun. Was weiß ich noch nicht, aber vielleicht läuft mir etwas vor die nackten Füße.