Eigentlich sollte ich Übung haben, …

… schließlich ist es nun schon das dritte Mal, dass ich mein Leben komplett in der einen Stadt deinstalliere, um es in einer anderen Stadt wieder zu installieren.
Ich fühle mich aber überhaupt nicht geübt. Umziehen ist zwar immer doof, aber über so eine weite Strecke umziehen und komplett neu anzufangen ist ungleich doofer.

Als ich das erste Mal von einer Stadt in die andere zog, war ich Anfang zwanzig und hatte eigentlich nur vor für ein Jahr des Jobs wegen nach Hamburg zu gehen. Aus diesem einen Jahr wurden am Ende zehn. Aus diversen möbliert gemieteten Wohnung in den ersten eineinhalb Jahren wurde meine heißgeliebte Dachgeschosswohnung … mein Nest, das ich nur sehr ungern verlassen habe.
Damals ließ ich in Berlin außer einer halbherzigen Beziehung, die nur das erste Jahr mehr oder weniger überdauerte, meine Schwester, zu der ich zu der Zeit kein allzu gutes Verhältnis hatte und meine Eltern, die ich mit Entzücken hinter mir ließ und meine Wohnung, die ich nach eineinhalb Jahren mit Begeisterung auflöste, zurück. Natürlich auch ein paar befreundete Bekannte, aber da stellt man recht schnell fest, dass man sobald man außer Sicht ist, kannst schnell vergessen ist. Einen Koffer ließ ich nicht in Berlin.

Der Start in Hamburg war damals schwierig für mich. Mit prolligen Berlinern bin ich groß geworden. Die kannte ich, die war ich gewohnt. An die im ersten Moment unterkühlt wirkenden Hamburger und ihre zuweilen leicht versnobten Ansichten musste ich mich erst einmal gewöhnen. Aber ich habe sie schnell lieben gelernt und mein Herz eindeutig an Hamburg und Umgebung verloren. Wenn ich nach Hamburg komme, habe ich jedes Mal das Gefühl nach Hause zu kommen.

Als ich dann schwanger wurde, dachte es in mir, dass es sicher sinnvoll wäre, wenn das Kind wenigstens im Ansatz so etwas wie Familie … Großeltern und eine Tante in der Nähe hätte. Damals war mir nicht klar wie sehr ich irre …
Der Vater des Kindes zog Berlin ebenfalls als Familienwohnsitz … muhaha, der nächste Irrtum … den Möglichkeiten Hamburg, Bremen oder Kiel vor. Also ging es wieder zurück nach Berlin. Es fiel mir sehr, sehr schwer Hamburg, meine Wohnung und die Menschen, die ich in dieser Stadt kennengelernt und sehr lieb gewonnen hatte, zurückzulassen. Ich ging mit mehr als einem weinenden Augen, aber ich hatte einen Koffer in Hamburg gelassen …

Die Jahre hier in Berlin waren schwierig. Ich habe mich durch vieles hindurch kämpfen müssen. War, obwohl offiziell nicht allein erziehend, immer auf mich allein gestellt. Den Vater meines Kindes, mit dem ich bis heute zur Aufzucht des gemeinsamen Jungen in einer Wohngemeinschaft lebe, hatte ich als zusätzlichen Ballast an der Backe kleben. Nein, ich will mich nicht beschweren. Kann ich auch gar nicht. Ich habe dieses Leben frei gewählt. Weil ich dachte, es wäre gut für mein Kind. Ich wollte nie allein erziehend sein, aber irgendwie … nein, ich will es nicht in Frage stellen. Dann müsste ich mich innerlich auffressen, weil ich nicht früher ausgestiegen bin. Es ist, wie es ist und das Kind ist ziemlich klasse. Ich zumindest bin sehr stolz auf ihn und zufrieden mit ihm.

Zu der häuslichen Misere kam hinzu, dass Berlin nicht meine Stadt ist. Ja, ich bin hier geboren und groß geworden, aber da war um Berlin noch die Mauer drumrum. Wenn man raus wollte, musste man erstmal Grenzen überwinden. In meiner Abwesenheit haben sie die Mauer platt gemacht und Deutschland im Ansatz wiedervereinigt. Berlin wurde Hauptstadt und meint nun der Nabel der Welt … Weltstadt zu sein. Ääähmmm…ja… eine sehr provinzielle Weltstadt, die den Charme, den sie früher einmal hatte, mehr und mehr verliert, weil der typische Berliner langsam ausstirbt. Zurückbleibt eine ach so hippe, multikulturelle, versiffte Stadt, von der ich mehr und mehr den Eindruck habe, dass sich hier der allerletzte Abschaum sammelt.

Einerseits bin ich froh, dass ich diese Stadt Ende des Jahres verlassen kann. Andererseits fällt es mir sehr schwer, weil ich mein Kind zurücklasse.
Ja, es ist groß. Der weitere Weg ist geebnet … Studienplatz gefunden, Studiengebühren bezahlt, er kann wohnen bleiben, wo er wohnt … alles fein. Jetzt muss ihn nur noch gehen. Das wird er tun. Da bin ich mir sicher. Es ist auch Zeit sich zu trennen. Trotzdem würde es mir leichter fallen und ich hätte nicht so ein beklopptes und völlig unnötiges schlechtes Gewissen, weil ich ihn verlasse, wenn er gehen würde … das Nest verlassen würde. Aber ich krieg das gefühlsmäßig irgendwie hin. Schließlich bin ich es gewohnt, dass mein Leben nicht so ist wie andere Leben.
Desweiteren ich lasse meine große Schwester zurück, zu der ich in den letzten Jahren ein wirklich gutes Verhältnis entwickelt habe. Als sie mich 2009 gefragt hat, ob ich für sie arbeiten will, habe ich zwar ja gesagt, hätte aber nie vermutet, dass wir es so lange miteinander aushalten. Und dann auch noch so gut. Früher war ich immer nur die blöde kleine Schwester, die unendlich nervt. Ich werde sie, meinen Job und selbst die leicht verschrobenen Stammpatienten vermissen.
Dann lasse ich meine Mutter zurück. Die brave, gut dressierte Tochter plagt natürlich das schlechte Gewissen. Was ich damit mache und wie es mit ihr weitergeht … wie lange sie noch alleine in ihrer Wohnung leben kann … weiß ich nicht und letztendlich habe ich auch keinen Einfluss darauf. Ich kann nur aus der Ferne ein Auge draufhalten, dafür sorgen, dass sie das Kind nicht so sehr belastet und zur Stelle sein, wenn es anfängt zu brennen.

Ich lasse emotional viel zurück, aber ich freue mich auf den Start in ein neues Stück Leben. Auf ein Zuhause. Auf Zeit mit dem Gatten, die nicht abgezählt ist, auf Alltag mit dem Gatten. Auch wenn für mich alles sehr ungewiss ist, ich keine Ahnung habe, wo mich die Jobsuche hinführt und ob überhaupt … mit dann knapp 54 ist man nicht unbedingt die ganz heiße Ware auf dem Arbeitsmarkt … ich freue mich. Dauert aber noch … Vorfreude und so …

Warum ich all das geschrieben habe?

  • weil ich gerne lange, langweilige Geschichten schreibe
  • weil es mich umtreibt und ich nachts vor lauter denken, egal ob im positiven oder im negativen Sinn, nicht schlafen kann
  • weil ich vor lauter Anspannung auf den Zähnen herumbeiße … sodass ich schon Zahnschmerzen habe
  • weil es raus musste
  • weil ich mal wieder bloggen wollte
  • weil … weil … weil …
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Kommt jemand mit raus Spielen …

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… äh … Plaudern?

Hier geht es gerade so … ja, nicht schlecht, aber könnte besser sein, wenn es ein anderer Balkon und eine andere Stadt wäre, aber für einen Montag und nach einer Fahrt mit dem ICE von A nach B, naja … um genau zu sein – der ICE fährt natürlich nur von HH nach B, für den Anfang oder das Ende, je nachdem von wo man kommt oder wo man hin will, muss man die Regionalbahn bemühen … ist es, wie schon gesagt, nicht so schlecht. Vor allem nicht zu warm und ausnahmsweise ist es auch mal nicht schwül in Berlin … schnell XXX mach.

Ha! Ich freue mich schon. Dieses Mal sind es nur neun Tage (als ich dem Gatten sagte, dass ich schon Dienstagabend komme und nicht erst Mittwochnachmittag, wie geplant und anfügte, dass ich das tue, damit ich schon am Mittwochmorgen im Bett bleiben kann, während er zur Arbeit muss, schüttelte er geschlagen grinsend Kopf und meinte, dass man gegen dieses Argument nichts sagen kann … er freut sich aber trotzdem) bis ich das nächste Mal den Zug besteigen darf und hoffentlich per Express von B nach A gebracht werde. Ich muss gestehen, dass ich nach nun fast fünfeinhalb Jahren des Hin – und Herfahren müde bin.
Zuerst fuhr ich die Strecke noch per Anhalter durch die Galaxis Bus, was noch einmal zwei Stunden mehr in ein Fahrzeug eingequetschte Lebenszeit bedeutete. In den Anfängen des mit der Bahn fahren habe ich mich entfaltet, aber das hält nicht ewig. Außerdem scheinen die Züge immer voller zu werden. Oder die Menschen fahren immer nur mit den Zügen, die ich benutze … alle anderen Züge sind leer …  ja, bestimmt ist das so und bestimmt tun sie das aus lauter Sympathie. Es ist zum Beispiel auch so – sind noch fünf Plätze leer im Wagen, setzt sich garantiert zielstrebigst irgendein Trottel Mensch neben mich, alle anderen gehen leer aus haben ganz viel Platz und dürfen alleine sitzen … ich fand das Spiel „Mein rechter Platz ist leer, ich wünsche mir blablabla her“ schon immer doof …

Das Ende ist aber in Sicht. Ich habe das Jahresende, weil mich die SchwesterChefin fragte, als möglichen Endpunkt avisiert. Das könnte in der Tat klappen, weil das Kind die erste Zulassung fürs Studium bekommen hat. Es ist zwar nicht die Wunschhochschule, wäre aber auch okay. Mit ein bisschen Glück klappt es auch noch mit der Wunschhochschule. Dann ist das Kind im Herbst von der Straße und ich kann meiner Wege ziehen. So weit der Wunsch und der Plan.
Meine Gefühle dazu sind in der Tat sehr gemischt. Zum einen bin ich sehr vorfreudig und kann es kaum erwarten, zum anderen drückt mich das schlechte Gewissen. Ja, blöd. Ich weiß. Das Kind ist groß und muss alleine … und kann er auch, weiß ich. Die SchwesterChefin wird auch ohne mich überleben und meine Mutter macht das schon. Ist die Komfortzone zwar nicht mehr so groß, aber irgendwie geht das schon. Im Zweifelsfall droht sie wieder damit gegen eine Mauer zu fahren … womit auch immer, das Auto hat sie zum Glück schon abgegeben und mit dem Rollator kriegt sie nicht genug Speed drauf.

Ich glaube, ich geh jetzt noch etwas Sinnvolles … das erste an diesem Tag … tun. Was weiß ich noch nicht, aber vielleicht läuft mir etwas vor die nackten Füße.

 

Super!

Brille kaputt … rechtes Ärmchen ab.

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… vielleicht ist sieht sie ohne mich besser dran

Vermutlich reparabel, aber ich habe mich trotzdem zu einer neuen Gleitsichtstudie bei Brillen.de angemeldet. Die letzte Brille ist zwar noch nicht so lange her … siehe da … aber ich habe schon seit einiger Zeit das Gefühl noch schlechter kucken zu können. Also ist der abgebrochene Bügel eine gute Gelegenheit das in Angriff zu nehmen. Lust habe ich keine, Geld eigentlich auch nicht, aber schon morgen einen Termin beim Optiker. Dann nehme ich die kaputte Brille mit und werde sehen, was sie für mich die Brille tun können. Bis dahin lege ich mich ins Bett und tue nichts, weil ich nichts sehen kann hangele ich mich halbblind mit den noch zur Verfügung stehenden Altbrillen durch Leben.

Jetzt gehe ich Bad putzen. Geht bestimmt schnell … was man nicht sieht, muss man nicht weg putzen …

Wie viel sind wir unseren Eltern schuldig?

Achtung! Lang und „tiefsinnig“

 

Ich glaube nichts!

Ich für mich und auf meinen Sohn bezogen, würde ich das so sehen. Er ist mir nichts dafür schuldig, dass ich ihn in die Welt gesetzt und groß gezogen habe. Ich habe mich ganz egoistisch dafür entschieden, ihn haben zu wollen. Ganz bewusst – ja, ich will (… und das auch noch ohne dass ich wusste, was auf mich zu kommt)! Ich habe ihn nicht gefragt (… ging ja auch nicht, schon klar). Warum sollte er mir dann etwas schuldig sein?
Füttern, Popo wischen, sich sorgen, schlaflose Nächte und vieles andere gehören zu dieser Entscheidung mit dazu.
Er hat mich von sich aus großzügig belohnt. Er schenkte mir sein erstes Lächeln und sein erstes bewusstes Lachen – es war so wunderschön und kam aus tiefster Seele … aus dem Bauch … Glück, Freude pur … unverfälscht und ein bisschen dreckig 😉 (… dass er über mich gelacht hat, sei ihm verziehen). Das ist mehr als genug … außerdem sagt er mir seit dem er reden kann und vielleicht durch mein Vorplappern und Vorleben begriffen hat, was es bedeutet/wie es sich anfühlt, mehrmals am Tag, wie lieb er mich hat. Selbst wenn er jetzt damit aufhören würde, würde es bis an mein Lebensende reichen – von der Menge des Gesagten ausgegangen, wenn er aufhören würde mich lieb zu haben, würde mir schon etwas fehlen, aber zwingen könnte ich ihn nicht. Auch dazu ist er durch seine Geburt nicht verpflichtet.
Ich möchte nicht, dass sich meine Kind am Tage X, wenn ich nicht mehr kann, um mich kümmern muss. Ich will nicht, dass er mir den Hintern wischt und den Sabber wegmacht. Das weiß er auch.

Wie ich auf diese mehr oder weniger tiefsinnigen Gedanken komme? Ich hatte heute viel Zeit zum Nachdenken, weil ich lauter Dinge getan habe, bei denen ich gut nachdenken kann und bei denen mir die wundersamsten Erkenntnisse oder Einfälle kommen … ich habe geduscht (allein), ich bin Rad gefahren (allein) ich habe geputzt (allein) und ich war bei meiner Mutter (allein).
Dort habe ich, wie schon geschrieben, allein geputzt. Königinmutter sass derweil da und hat gespielt. Gut, hat den Vorteil, dass ich dann nicht reden muss, sondern mich ganz meinen Gedanken hingeben und meinen eigenen Stiefel, bei dem ich aufpassen muss, dass ich nicht zu gründlich putze, runter putzen kann.
Dabei habe ich, wie so oft, darüber nachgedacht, warum ich das eigentlich tue. Warum tue ich Dinge für meine Mutter?
Aus Liebe? Ganz sicher nicht!
Aus Respekt? Nein, auch nicht.
Weil ich ihr etwas schuldig bin? Aus meiner Sicht – ganz und gar nicht.
Sollte ich ihr jemals etwas schuldig gewesen sein, was ich aus ihrer Sicht sicher bin, habe ich das bereits in meiner Kindheit und Jugend, damit abgeleistet,

  • dass ich mich um mich alleine gekümmert habe
  • dass ich meine Eltern aus den Kneipen geholt habe
  • dass ich nachts durch die Straßen gezogen bin und den fehlenden Elternteil gesucht, von einem Gartenzaun oder Laterne gelöst oder aus einer Hecke geholt und nach Hause gezerrt habe, wenn nur einer von beiden allein betrunken nach Hause kam
  • oder wenn ich mal wieder dazwischen gegangen bin, wenn sie sich besoffen geprügelt oder sich gegenseitig Bierflaschen auf dem Kopf zerschlagen haben … mit Vorliebe zu Weihnachten.

Es gäbe noch mehr Dinge, die ich aufzählen könnte, mit denen ich aus meiner Sicht alles, was ich meinen Eltern jemals schuldig gewesen sein sollte, abgeleistet habe.
Meine Mutter/meine Eltern wollten nie Kinder. Was sie immer sehr deutlich gesagt haben. Meine große Schwester war noch okay. Man war jung verheiratet, da gehörte damals zwangsläufig ein Kind dazu. Ich habe mich eingeschlichen. Als sie mich bemerkten, war es zu spät den etlichen vorangegangenen Abtreibungen noch eine hinzuzufügen … der letzte Versuch. Danach gab es zum Glück die Pille.

Warum tue ich es dann?
Um vielleicht doch noch irgendwann von ihr geliebt zu werden? Nee, dafür ist es zu spät. Den Wunsch habe ich vor langer Zeit aufgegeben. Auch den Wunsch ihr etwas recht zu machen … kann ich sowieso nie nicht.
Um ihr eine Freude zu machen? Auch nicht. Freut sich sowieso nicht.

Ich glaube, aus tiefsten Pflichtbewusst sein. Man hilft halt, wenn man kann. Mache ich an anderer Stelle auch.
Außerdem ist es Familie, ja, kann man sich nicht aussuchen … bin ich die letzte, die sie noch hat. Mit meiner Schwester redet sie seit mehr als zwanzig Jahren nicht mehr und mein Vater hat es vor zehn Jahren vorgezogen sich mit Selbstmord in kleinen Raten feige aus dem Leben zu stehlen. Von ihren Bekannten und Freundinnen hat sie sich zurückgezogen.

Um jetzt den Kreis zum ersten Absatz zu schließen – ich werde meiner Mutter nicht den Hintern wischen und auch auch nicht den Sabber wegwischen. Auch wenn sie das gerne will und meint es würde ihr zustehen. Ich will das nicht! Außerdem habe ich auch diesen Punkt schon erfüllt.

Jetzt geh ich in die Küche. Begebe mich direkt dorthin und verkleide den Schweinenacken mit einer Marinade, damit er später für den Grill hübsch ist und mansche eine Kräuterbutter zusammen, damit das Kind sich freut.