Ach und Weh!

Ich habe Hüfte! Aber sowas von Hüfte!!

Am schlimmsten finde ich den Umstand, dass ich nicht weiß, warum ich plötzlich so akut (fiese böse Knochenschmerzen in Ruhe und Bewegung, der kleinste Höhenunterschied, ab zwei Millimeter, wird zum fast unüberwindlichen Hindernis … beim letzten akuten Schub hat sich wenigstens noch das Kind über mich schlapp gelacht – das … beides (Kind und Lachen) fehlt mir gerade sehr) Hüfte habe.

Eben bin ich nochmal losgehumpelt (unterwegs haben mich drei Schnecken überholt und im Treppenhaus habe ich mir ebenfalls viel Zeit – erst das „gesunde“Bein, dann das andere auf die Stufe nachziehen … immer so weiter … das dauert ganz schön lange bis in den zweiten Stock – gelassen und habe mir Vitamin D3 geholt. Damit habe ich nämlich geschlampt. Normalweise nehme ich es jede Woche. Seit zwei Wochen nicht mehr. Ich hoffe, dass es das ist. Wäre mir lieber als der künstlichen Hüfte wieder ein Stück näher (viel Luft ist sowieso nicht mehr) gekommen zu sein.

Jetzt sitze ich auf dem Sofa, versuche die Hüfte mit Hilfe meines luftigen Freundes …

… zu lockern … wippelwippelwippel, warte auf den Gatten, stricke die eine oder andere Masche und wimmere leise Ach und Weh! … so ein Scheiß! Echt AUA!

Wenn Sturheit …

… Ignoranz und Blödheit bei der Bestimmung des Pflegegrades eine Rolle spielen würden, wäre meine Mutter ganz weit vorne. Da das nicht der Fall ist, wird es wohl bei Pflegegrad 1 bleiben und sie wird den Großteil ihrer Pflege (zurzeit einmal die Woche baden, etwas putzen und einkaufen) weiterhin selbst zahlen müssen.

Gestern hatte sie einen erneuten Termin, nach dem der letzte Antrag nach Widerspruch komplett abgelehnt wurde, zur Bestimmung des Pflegegrades durch den MDK. Ich hatte für mich beschlossen diesem Termin nicht beizuwohnen, weil ich dachte und immer noch denke, dass es am Besten für sie ist möglichst alleine und hilflos zu sein. Das hatte ich ihr im Vorfeld gesagt und ihr erklärt, dass es nicht darauf ankommt, was sie kann, sondern darauf was sie nicht kann und dass das möglichst viel sein muss.
Dass sie die Wohnung nicht alleine verlassen kann, ist Fakt.
Dass sie nicht alleine baden oder duschen kann auch.
Dass sie nicht putzen kann und will ist ebenfalls zweifelsfrei.
Dass sie inzwischen in der Wohnung auch wieder ohne Rollator herumläuft, ist auch Fakt, muss aber keiner wissen und ist auch nicht gut. Zumal sie sich nun wieder weigert ihren Notrufknopf zu tragen – „Die machen sowieso nichts. Die kommen nicht. Die rufen höchstens die Feuerwehr. Das ist doch nichts.“ – äh … ja, durchaus richtig, aber durchaus hilfreich, wie sich bereits gezeigt hat … denn wenn sie gefallen ist, kann sie den Knopf drücken, Bescheid sagen und dann schicken die Hilfe. 
Dass ihre kognitiven Fähigkeiten eingeschränkt sind, wird in die Bewertung nicht einfließen. Für stur, eigensinnig und unbelehrbar gibt es keine Punkte, die angerechnet werden. Vieles in ihrem Kopf ist eingeschränkt, aber sie ist nicht dement. Sie ist einfach alt, hat einen Teil ihrer gedanklichen Fähigkeiten versoffen, ist vom modernen, schnellen Leben überfordert – versteht vieles nicht, auch wenn sie der Meinung ist ein Vollprofi im Umgang mit ihrem Smartphone zu sein und ist einsam, was im Kopf nicht heller macht.

Das alles hatte ich ihr im Vorfeld erklärt und zuerst sah sie das ein. Dann hat sie es sich anders überlegt und hat zu dem gestrigen Termin den Mann von ihrem momentanen privaten Pflegedienst dazu geholt, damit sie nicht so alleine ist. Ihre größte Angst ist es in ein Pflegeheim zu kommen – was ein Quatsch, so schnell kommt man nicht in ein Pflegeheim – siehe den Tatbestand, dass es bei ihr nicht einmal für Pflegegrad 2 reicht.
Tja und heute hat sie mir am Telefon erzählt, wie toll sich der Mann für sie eingesetzt hat. Ihre Situation geschildert hat. Erklärt hat, was ihr fehlt.
Ganz toll! Nun bekommt sie einen Badewannenlift. Ich kann nur hoffen, dass sie dann ihren Notrufknopf trägt, wenn sie wieder alleine duscht oder badet, damit sie jemand aus der Wanne zerrt, weil sie, experimentierfreudig und selbstüberschätzend wie sie ist, so in der Wanne gelandet ist, dass sie alleine nicht raus kann.
Wenn ich sie richtig verstanden habe, bekommt sie einen Treppenlift ins Treppenhaus gebaut, damit sie alleine raus kann.
Sehr hilfreich! Was macht sie, wenn sie unten ist? Einkaufen oder zum Arzt kann sie trotzdem nicht alleine und dass sie spazieren geht, davon träumt sie auch nur, wenn sie warm und gemütlich in ihrem Bett liegt und eben dies auf gar keinen Fall kann. Sollte die Möglichkeit tatsächlich gegeben sein, sucht sie sich etwas anderes, was sie von der Möglichkeit des Spazierengehens befreit und es ihr ermöglicht liegen zu bleiben. Sie erzählt mir immer, dass sie schon ganz erschöpft ist, wenn sie nur auf dem Klo war.

Ich habe ihr jahrelang erzählt, dass sie sich mehr bewegen muss, um in Bewegung zu bleiben. Sowohl körperlich, wie auch im Kopf. Außerdem hätte sie weniger Schmerzen, wenn sie sich bewegt. Viel sitzen und/oder liegen lässt einen körperlich abbauen, macht die Gelenke steif, führt zu Knochenabbau und vergrößert die Schmerzen. Aber was rede ich. Ich habe ja keine Ahnung. Ich bin ja noch jung und gesund … meine Mutter neigt dazu zu vergessen, dass meine Knochen maroder sind als ihre und das schon ziemlich lange … es wurde mir in die Wiege gelegt.

Ja, der Mann war definitiv sehr hilfreich und die Pflegekasse spart auf der einen Seite ungemein Geld, weil es keinen höheren Pflegegrad geben wird, schmeißt aber auf der anderen Seite eine Menge Geld für die Dinge – einmalige Sachleistungen heraus, die keinem etwas bringen. Halleluja!

Ich habe es so satt! Ich mag mir nicht mehr das tägliche Gejammer anhören müssen. Ich habe keine Lust mehr Lösungen für das Chaos, das meine Mutter anrichtet, weil sie nicht nachdenkt, zu finden.
Aber ich kann sie auch nicht im Stich lassen. Weil ich so erzogen wurde. Weil mir meine schwach ausgebildete Soziale Kompetenz sagt, dass man „hilflose“ Menschen nicht ganz alleine lässt. Weil ich bin, wie ich bin.

Ich lass jetzt einfach mal den Kopf hängen und kucke was passiert. Wahrscheinlich wird nichts passieren bis ich den Kopf wieder hebe. Das Leben, vor allem das der anderen,  wird einfach darauf warten, dass ich weitermache. Aber vielleicht entspannt sich mein Schultergürtel und ich kann nachts endlich mal wieder liegen und mir tun dabei nur Hüfte, der Lendenwirbelbereich und die Knie weh.

Der Niffler …

… überwacht meine Strickfortschritte.

Gefühlt stricke ich und stricke und stricke und … … … und komme nicht wirklich vorwärts, aber bei Nadelstärke 3 und 186 Maschen pro Reihe kann es schon eine Weile dauern bis man etwas sieht und das Gefühl hat etwas geschafft zu haben.

Nichtsdestotrotz gefällt es uns ganz gut … eigentlich will ich jetzt kucken, ob sich das Grün für die Ärmel genauso gut einfügt, wie das Blautürkis des Bündchen.

Noch viel lieber hätte ich allerdings, dass sich die Verspannungen meines Nackens oder vielleicht sind es auch Blockierungen der Halswirbel lösen. Die Bewegungseinschränkungen und die Schmerzen bei jeder Bewegung und Nichtbewegung und die Kopfschmerzen seit Tagen und Nächten nerven mich langsam aber sicher.