Zu Hause …

… eigenes Bett, richtiger Kaffee mit Milchschaumgebirge vom Gatten gekocht, wie immer am Wochenende, kein Sonnenfleck, aber schöne Aussicht …

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Nachdem ich gestern für die ersten dreißig Kilometer innerhalb von Berlin eineinhalb Stunden gebraucht habe, war ich dennoch wie geplant um 18:30 Uhr in Hamburg und habe den Gatten eingesammelt.
Mit dem Auto des Gatten bin ich nach dieser Woche auf du und du. Ihm und der freien Autobahn ab dem Kreuz Wittstock/Dosse ist es zu verdanken, dass ich es pünktlich geschafft habe. Das Auto kann nämlich, wie ich jetzt weiß, 200 fahren. Damit konnte ich ein wenig verlorene Zeit herausholen.

Meine Mutter hat mich mit Worten verabschiedet, die mich nicht überrascht haben, sondern die ich so schon erwartet hatte, nach der Entwicklung der letzten Tage und ihrem Gemotze über das Krankenhaus, die Schwestern und Ärzte. Wenn sie im Krankenhaus fertig ist, geht sie nicht ins Pflegeheim. Sie will nach Hause und hat den Antrag fürs Pflegeheim schon rückgängig gemacht. Tja, des Menschenwille … muss sie sehen, wie sie klar kommt. Denn noch hat sie nur den Pflegegrad I und dafür gibt es nicht viel an Hilfe.
Soll sie machen, wie sie will. Ich werde an einem dickeren Fell mit glattem Rücken, an dem alles runterrutscht, arbeiten.

Jetzt muss ich erst mal sausen und die diversen Bestellungen aus ihren diversen Shops, wo sie hinterlegt wurden, befreien und den Wochenendeinkauf machen und rufe mir ein „Herzlich Willkommen im eigenen Leben!“ entgegen.

Vierter Morgen im fremden Bett …

… mit TütenCappu und Sonnenfleck. Gut, beim Sonnenfleck handelt es sich erst um den dritten Morgen. Der war am ersten Morgen nicht da. Da hatte er wegen Bewölkung frei. Muss auch mal sein. Eine weitere Abweichung zu den anderen Tagen – ich habe auf das Ritual des Wäsche waschen am Morgen verzichtet. Gibt nichts mehr zu waschen. Schade.
Stattdessen habe ich fürs Kind einen neuen Wasserkocher bestellt, der hoffentlich heute Abend wie versprochen geliefert wird. Ich hatte den alten gestern entkalkt. Wahrscheinlich ist ihm das nicht bekommen. Er hatte aber auch schon neunzehneinhalb Jahre auf der Heizspirale und hat in den Jahren wirklich Wassermassen erhitzt. Ich hatte ihn kurz nach der Geburt des Kindes gekauft. Nachdem sich der alte damals das Leben genommen hatte. Ohne Wasserkocher geht es einfach nicht. Das Wasser für meinen TütenCappu habe ich heute im Topf erhitzt. Was hatte ich für kalte Füße, weil ich so lange mit nackten Füßen auf den kalten Fliesen der Küche stehen musste, bis das Wasser gekocht hat. Nee, also wirklich. Das geht gar nicht. (ja, ich weiß, dass Wasser auch ohne Aufsicht kochen kann .. schreibt sich aber nicht so dramatisch und kalte Füße habe ich wirklich, weil ich so lange auf den kalten Fliesen der Küche herumgelungert habe, bis ich herausgefunden hatte, dass der Wasserkocher tatsächlich tot ist) 

Wenn ich mich dann irgendwann, nachdem ich genug Buchstaben aus dem Internet herausgelesen und neue hinzugefügt habe, aus dem Bett geschält habe, werde ich meine bunt verstreuten Sachen, zum Glück ist das Zimmer in seiner Größe und Möblierung sehr übersichtlich und ich nicht so schlampig, wie es manchmal klingt, darum wird es schnell gehen :O))), einsammeln, noch ein paar nette Worte mit meinem Kind, das heute einen Teil seiner Vorlesungen, wegen Dozentin ist doof, schwänzt, wechseln. Danach zu einem letzten kurzen Besuch bei meiner Mutter aufbrechen und dann das Auto mit mir drin auf die Autobahn setzen und Richtung Hamburg fahren. Freitagmittag ist zwar doof, aber ich hoffe, dass die anderen alle in Berlin bleiben, weil am kommenden Mittwoch in Berlin die Ferien beginnen und sie dann sowieso alle in den Urlaub fahren. Müssen sie nicht an einem Freitag, an dem ich die Autobahn brauche, eben diese verstopfen. Ich vermute aber in meinem tiefsten Innern, dass das niemanden interessiert … die Menschen sind so rücksichtslos ;O).

Ich freue mich auf zu Hause und auf den Gatten und hoffe sehr, dass nicht gleich wieder kurz nachdem ich weg bin, mütterliche Hiobsbotschaften und Quengeleien erschallen. Es reicht erstmal. Von mir aus könnte alles seinen Gang gehen. Wie schnell oder langsam auch immer. Ich komme Donnerstag wieder und dann kümmere ich mich wieder, aber bis dahin hätte ich gerne Ruhe.
Die Pflegekräfte beschweren sich über schlechte Bezahlung … sicherlich berechtig die Beschwerde. Ich bekomme für das, was ich in der letzten Woche getan habe nichts. Nicht mal einen Dank. Geschweige denn die Fahrt- und sonstigen Kosten ersetzt. Von meiner Lebenszeit ganz zu schweigen. Ich werde auch am Ende nichts bekommen. Denn meine Eltern haben ihre Töchter enterbt. Um dem ganz noch die Krone aufzusetzen, haben sie mich als Testamentsvollstrecker eingesetzt. Ich vermutet, dass sowieso kein Geld mehr vom Verkauf des Hauses und des Grundstücks, das einmal Familienbesitz war und das meinen Eltern weitervererbt worden ist, übrig ist. Meine Eltern haben es sich gut gehen lassen. Sehr gut.
Naja, das haben sie schon immer. In meiner Kindheit haben sie regelmäßig mein Sparschwein geplündert und einen großen Teil des Schmerzensgeldes, das ich nach dem Motorradunfall bekommen habe, in ihre Tasche gesteckt. Meine Mutter war der Meinung, dass es ihr zustehen würde, weil sie so gelitten hatte. Außerdem brauchten sie wie immer Geld, weil sie mit den Raten fürs Haus im Rückstand waren.

Warum ich das trotz allem mache?

– Weil ich doof bin.
– Weil ich gut dressiert bin.
– Weil ich mich an die Worte meiner Kindheit erinnere – Familie hält zusammen … ist für einander da … dass das nur für eine Seite gilt, stand nicht im Kleingedruckten und selbst wenn, als ich klein war, konnte ich noch nicht lesen.
– Weil ich nicht will, dass sich mein Kind darum kümmern muss. Ist nicht seine Baustelle. Er hat mich irgendwann am Popo und wer weiß, wie eklig und welchen Mist ich dann mache.

So. Nähkästchen zu. TütenCappu alle. Kopfschmerztablette inhalieren. Auf in den Tag!

Das Kind habe ich in aller Frühe …

… (kurz nach sieben) in die Muckibude geschickt, damit es mich nicht stört und ich in Ruhe im Bett sitzen und TütenCappucino trinken kann.
Das ist natürlich Quatsch. Das Kind geht Donnerstags immer in aller Frühe in die Muckibude, weil er nicht zur Uni geht und damit er sich nicht immer mit der einen älteren Frau herumplagen muss, die Donnerstags um die Geräte tanzt … freies Land, kann ja jeder seine Übungen ausführen, wie und wo er mag.

Ich habe irgendwie keine Lust mehr.

Die viele Aufmerksamkeit scheint meiner Mutter zu gefallen. Sie sitzt quietschvergnügt im Bett und erfreut sich daran die Menschen herumzuscheuchen.
Selbst gestern nach der Magenspiegelung unter Narkose war sie, als ich kam, fit und munter. Saß an der Bettkante und baumelte mit den Beinen. Hatte sogar so viel Elan mich unterwegs anzurufen und die Liste der Aufgaben zu verlängern.
Erfreulicherweise hat sie einen Physiotherapeuten und der hat gesagt, dass sie sich bewegen muss. Weil er ein Mann ist und Männer für meine Mutter schon immer die besseren Menschen waren, schiebt sie emsig ihren Rollator … den fiesen, miesen Leihrollator … durch die Gegend.
Die Magenspiegelung hat ergeben, dass sie ihr Magen verengt ist. Nicht schön, aber auch nicht schlimm. Sie setzen ihr einen Ballon ein und dann sollte es auch wieder mit dem Essen klappen.

Ich habe mich entschlossen noch bis morgen zu bleiben. Eigentlich hatte ich überlegt heute Abend nach Hause zu fahren, aber dann habe ich mein Kind gefragt, ob es den heutigen Abend noch mit mir verbringen möchte und da er das glaubhaft bejaht hat, bleibe ich noch und will morgen um 14:30 Uhr nach einem letzten Besuch im Krankenhaus losfahren. Dann habe ich vier Stunden um nach Hamburg zu kommen, dort den Gatten von der Arbeit abzuholen und dann zum Skat spielen zu fahren. Der Gatte hat sich schon mein Strickzeug parat gelegt, damit er es nicht vergisst und ich mich nicht langweilen muss.
Pläne machen ist toll. Wenn sie dann funktionieren, wäre es noch toller.

Nächsten Donnerstag bin ich dann wieder in Berlin. Das hatte ich vorher geplant. Die Fahrkarten habe ich schon eine Weile im smarten Phone. Ich wollte ein letztes Mal meine Bahncard benutzen, nach meiner Mutter kucken, mit der großen Schwester Kaffee trinken und ein bisschen Zeit mit dem Kind verbringen. Morgens hin, abends zurück. Erschien mir ein guter Plan zu sein. Nun werde ich den Plan umstricken müssen. Die große Schwester wird wohl rausfallen, weil ich irgendwie die Wäsche von meiner Mutter waschen und die Dinge heranschaffen muss, die sie meint zu brauchen. Dann ins Krankenhaus oder Pflegeheim – wo immer sie sich dann befindet. Danach zum Kind und die Vorhänge, die ich ihm, wenn ich wieder zu Hause bin, nähen werde … der am Dienstagabend bestellte Stoff wartet ab heute auf mich – ich habe ihn in einen Paketshop umgeleitet, weil ja keiner zu Haus eist und ihn in Empfang nehmen kann … aufhängen.
Ich muss aber vorher irgendwo eine Bohrmaschine besorgen, weil das Seil für die Vorhänge ebenfalls noch angebracht werden muss … ich mag gar nicht gerne bohren und das Kind hat noch nie und ist nicht scharf darauf. Mal sehen, wie dieser Plan endet. Die besondere Härte daran – ich habe kein Auto, sondern muss alles mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erledigen. Die Fahrerei ist immens und zeitraubend.
Ich bin so froh und dankbar, dass ich dieses Mal das Auto mitnehmen können wollen durfte. Ohne wären die letzten Tage tödlich gewesen. Habe ich schon irgendwo erwähnt, dass ich keine Lust mehr habe?

Wenn ich wieder zu Hause bin, muss ich dringend zum Optiker. Ich kann mich des unguten Gefühls nicht erwehren, dass ich schon wieder eine neue Brille brauche. Die letzte ist noch nicht mal ein Jahr alt. Wenn es etwas ändern würde, würde ich wütend wie ein kleiner Waldschrat laut schimpfend durch die Gegend springen. Da es nicht hilft, brumme ich innerlich leise und füge mich in mein Schicksal.
Außerdem sollte ich meinen Fuß vielleicht doch mal zum Arzt tragen. Er meckert zwar nicht mehr ganz so doll, aber zufrieden ist er mit mir, dem Leben und seinen Aufgaben nicht.

Eben musste ich feststellen, dass es nicht reicht, wenn man die Kopfschmerztabletten aus der Tasche kramt und neben sich auf den Tisch legt. Davon werden die Kopfschmerzen, die mich schon heute Nacht um drei geweckt haben und lange nicht wieder einschlafen ließen, eindeutig nicht besser. Ich schlurfe dann mal in die Küche, fülle mein Wasserglas auf und frühstücke eine Tablette. Mit ein bisschen Glück hilft sie.

Heute bin ich müde, traurig, antriebsarm …

… vielleicht hilft Zucker …

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… böse Cola mit echtem Zucker drin.

Wahrscheinlich wird es nicht helfen.
Wahrscheinlich habe ich heute zu wenig zu tun und das bekommt mir nicht. Zu viel Kapazität frei zum Denken und Fühlen so vieler frischer unangenehmer Dinge und unangenehmen Erinnerungen. Warten müssen, in einer Situation aushalten, die mir unangenehm ist, die ich nicht will, die ich nicht beeinflussen kann, sondern einfach nur stillhalten kann, aushalten muss, mochte ich noch nie.

Das Kind meint, dass mir heute ganz einfach das Putzen fehlt. Das im Dreck wühlen. Eigentlich fehlt es mir nicht, aber mir fehlt bestimmt das Gefühl etwas geschafft zu haben. Einen Schritt weiter zu sein. Der Heimat ein bisschen näher.

Außerdem würde es mich etwas froher machen, wenn ich mich bei dem bisschen, das ich heute gemacht habe, nicht bekleckert hätte. Meine Kleidungsauswahl ist zurzeit sehr beschränkt … sehr übersichtlich … als ich losfuhr, meinte ich sehr großzügig eingepackt zu haben. So kann man sich irren.

Ich setze mich jetzt in die Ecke und versuche nicht schmutzig zu werden … heulen ist auch gestrichen. Tränen lassen Salzränder zurück …

Ich hab ’nen Fleck in meinem Bett …

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… und der darf bleiben.

Das Kind hingegen ist schon zur Uni und eigentlich schon fast wieder da. Es hat heute nur eine Vorlesung, die bis 09:30 Uhr geht. Dann kommt es schnurstracks nach Hause und wir können uns, bis ich mich wieder um den Fall Mutter kümmern muss, auf den Wecker gehen uns gegenseitig ärgern Zeit miteinander verbringen. Wir werden erst einmal gemeinsam einkaufen gehen. Wenn wir zusammen einkaufen, wird es lustig. War nicht immer so. Es gab auch Zeiten, da habe ich es gehasst, wenn ich mein Kind beim Einkaufen am Popo hatte, weil es nur verträumt, gelangweilt, lustlos im Weg stand. Heute unterhalten wir den ganzen Supermarkt, wenn wir gemeinsam getrennt durch die Gänge flitzen. Manchmal müssen wir Dinge wieder zurückbringen, weil wir beide in unserem Eifer den anderen zu übertreffen, dieselben Dinge in den Einkaufswagen geschaufelt haben. An der Kasse geht dann der „Streit“ los, wer was trägt. Wir wollen immer beide alles tragen. Darum wirft jeder so schnell er kann, alles was er greifen kann, in seinen Beutel. Natürlich akustisch entsprechend untermalt. Ich mag zwar nicht gerne einkaufen, aber so ist einkaufen toll.

Wie lange ich hier ausharren muss steht noch in den Sternen. Als persönliche Dateline habe ich mir den Freitag gesetzt. Freitagabend will ich mit dem Gatten Karten spielen gehen. Ich hoffe, dass das möglich ist.

So richtig voran geht es bei meiner Mutter leider nicht. Heute machen sie bei ihr eine Magenspiegelung (vielleicht finden sie etwas und dann ist meine Mutter vorübergehend glücklich und zufrieden, weil sie endlich etwas hat, denn bisher hat sie außer alt sein und sich selbst körperlich heruntergewirtschaftet haben, nichts  (das war schon immer ihr Problem – alle sind krank, haben irgendetwas, nur sie nicht – doch einmal war ihre Galle böse, aber auch da – Galle raus, am nächsten Tag wieder essen dürfen nur mit der leichten Einschränkung vierzehn Tage nichts Blähendes, drei Tage später nach Hause entlassen – Oh wie furchtbar … die neue Hüfte ohne Problem – Oh wie furchtbar) und wann ein Kurzzeitpflegeplatz frei wird, steht in den Sternen.
Ich hätte sie, bevor ich fahre, gern irgendwo sicher geparkt gewusst. Vor allem damit das Kind Ruhe hat. Bei ihm steht die große Klausurenrunde (fünf in einer Woche, kurze Pause und dann die letzten zwei) an und da braucht er Ruhe und keine Großmutter, die dauernd etwas will. Wobei ich eigentlich schon den halben Hausstand ins Krankenhaus geschleppt habe und heute den Rest holen werde … ich hoffe zumindest, dass sie dann alles hat.
Ach, doof das alles und so unübersichtlich, so unnötig. So unplanbar. Das mag ich nicht. Das kostet so viel Zeit. Meine Lebenszeit, die mir vielleicht irgendwann fehlt.

Den gestrigen Vormittag habe ich hier in der Wohnung, in der ich bis Januar gewohnt habe und in der jetzt das Kind mit seinem temporär anwesenden Vater haust, mittelgroß reine gemacht. Ich kann dem Kind zwar kein gemütliches Heim geben, dafür müssten sich die Kerle zusammen- und aufraffen, aber ein halbwegs sauberes. Jedenfalls vorübergehend. Hat ihm auch gut gefallen und sogar so weit motiviert, dass er endlich seinen Kleiderschrank eingeräumt hat. Hat ihm sogar Spaß gemacht und es hinterließ das gute Gefühl endlich etwas gemacht zu haben, was schon lange auf dem Zettel stand und gar nicht so schlimm war, wie befürchtet. Vielleicht hilft das und ein paar Gespräche, die wir schon geführt haben und noch führen werden, dass er sich öfter mal aufrafft und die Dinge tut, die getan werden müssen. Nur so kommt er weiter und wie es in der Schule schon war, gilt der Leitsatz – er tut es für sich und nicht für andere. Nur wenn es ihm wichtig ist, wird es gelingen. Lässt sich etwas verändern. Und noch hat er den Vorteil, dass er wirklich nur an sich denken muss. Keine hinfällige störische unliebsame unliebende Mutter … noch nicht, keine Kinder und auch sonst nichts an der Backe, worauf man sich einstellen müsste.

So. Meine Sonnenfleck ist weg und ich sollte mich auch wegmachen … unter die Dusche bemühen, damit ich nicht noch im Bett sitze, wenn das Kind nach Hause kommt. So ganz untätig war ich aber doch nicht. Ich habe zwischendurch das Schreiben unterbrochen und habe mich der Wäsche gewidmet, für Kind noch ein paar meiner Bügel, die ich ihm hier gelassen hatte, aus des Vaters Höhle Zimmer, weil er sie sich heimlich unter den Nagel gerissen und gebunkert hat, gekramt, den Staubsauger ein weiteres Mal durch die Bude geschoben … wir haben gestern Abend beim Schrank einräumen doch ordentlich gebröselt und gestaubt und vor dem Duschen werden ich dem Kind noch Hemden bügeln. Ich hasse bügeln, aber liebe meinen Sohn. Darum tut ich es und es tut auch gar nicht weh.

Überschriften werden überbewertet

Seit gestern mache ich Zwangsurlaub vom Gatten und das kam so:

Sonntagabend gegen 18:00 Uhr rief mich das Kind an und teilte mir mit, dass ihn eben ein netter Feuerwehrmann angerufen hätte, der ihm die freudige Botschaft überbrachte, dass seine Oma, also meine Mutter in der Wanne gestürzt sei und sie sie nun ins Krankenhaus bringen. Es müsste bitte nochmal jemand nach der Wohnung schauen.
Das versprach das Kind zu tun. Und ich versprach herauszufinden was sie mit der Oma treiben und ob sie im Krankenhaus bleiben darf.

Das Kind erfüllte seine Mission schneller als ich und rief mich nach eineinhalb Stunden an. Er ist jetzt in der Wohnung und verstünde nun, was der Feuerwehrmann meinte … Ommas Schließmuskel hatte bei der Panik versagt … nicht schön, aber nicht zu ändern, aber fürs Kind eindeutig nix. Also neue Order „Mach’s Fenster auf, die Tür von außen zu und geh nach Hause. Ich mach das morgen.“
Ich hatte vorher schon beschlossen am Morgen nach Berlin zu fahren. Ein Grund mehr … ja, ich freute mich sehr *ironie an- und wieder ausknips*

Meine Mission war etwas schwieriger und bis 00:15 Uhr hatte ich noch nichts weiter erfahren, als dass sie immer noch auf der Rettungsstelle ist und versorgt wird. Immerhin hatte inzwischen ein Arztwechsel stattgefunden. Die Knochen waren fertig gecheckt, jetzt hatte man sie an die Innere gegeben, weil sie über diverse Beschwerden klagte und sie die Ursache für die Stürze der letzten Zeit (ja, da gab es einiges hinter der Bühne des Blogs) finden wollten. Weil ich dachte, dass es sicher sinnvoll wäre, wenn ich ein wenig schlafen würde, bis um halb sechs der Wecker klingelt und ich losfahren wollte, vertagte ich mich mit der Rettungsstelle. Die nette Frau am Telefon fand das auch ganz prima und sinnvoll, weil man so ausschließen könnte, dass ich dann direkt bei ihr auf der Rettungsstelle eingeliefert werden würde.

Meine Nacht oder das was davon übrig war, war nicht so dolle. Erst konnte ich nicht einschlafen, weil ich kalte Füße hatte … eiskalte Füße. Dann konnte ich nicht einschlafen, weil ich mir Sorgen machte, dass sie sie doch noch mitten in der Nacht nach Hause schicken. Das sie tatsächlich dableibt, war bei meinem letzten Anruf immer noch nicht sicher. Hätten sie sie nach Hause geschickt, wäre sie wieder ganz alleine gewesen und das auch noch in einer zugeschissenen Wohnung. Ich fühlte mich schuldig, weil ich nicht sofort losgefahren war, um die Scheiße zu beseitigen. Ja, ein Teil von mir weiß, dass das Quatsch ist. Der hat auch mit dem anderen Teil geschimpft. Das fördert aber den Schlaf auch nicht wirklich.
Um halb fünf habe ich die Nacht für erledigt erklärt, mich ans Telefon gesetzt und herausgefunden, dass sie meine Mutter dabehalten und auf der Inneren bei den Diabetikern geparkt haben. Immerhin was und damit war auch klar, das die Hüftprothese gehalten hat und der andere Oberschenkelhals auch ganz geblieben ist. Eigentlich gute Voraussetzungen, um wieder ins Bett zu gehen und in Ruhe eine Runde zu schlafen, aber nichts da. Ab unter die Dusche und dann ins Auto und nach Berlin fahren. Weil die Fahrt so kurzfristig war, waren die Bahnpreise so hoch, dass ich mit dem Auto günstiger fahre und auch flexibler bin.

Auf halber Strecke überfiel ganz viel bleiernde Müdigkeit und so suchte ich mir einen hübschen Rastplatz und machte zehn Minuten die Augen zu. Als ich die Augen schloss, war ich ziemlich alleine. Als ich die Augen öffnete, war ich von vielen wuselnden Rentnern umzingelt. Nach der ersten Verwunderung stellte ich schnell fest, dass inzwischen hinter mir, denn rechst und links von mir war immer noch alles frei – bis auf die wuselnden Rentner – wie beim Einschlafen, ein Bus geparkt hatte und dieser die Truppe ausgespukt hatte. Ich kam mir ein bisschen vor wie im Zoo und beschloss erst mal aufs Klo zu gehen.
Der zweite Teil der Fahrt verlief wie der erste. Unspektakulär. Einfach Autobahn am Montagmorgen mit vielen LKWs.

In Berlin fuhr ich zu allererst zu meinem Kind, dass sich wirklich sehr über mich freute. Ich freute mich auch. Freue mich immer noch. Das ist wirklich ein Lichtblick in diesem ungewollten und nicht wirklich schönen Ausflug.
Dann fuhren wir gemeinsam ins Krankenhaus, holten uns Order ab, was die Omma will, füllten einen Zettel für die Pflege aus, wo sie jetzt erst mal hinkommt und machten uns wieder auf den Weg. Das Kind nach Hause, ich in die Wohnung des Grauens.
Dort angekommen, wollte ich am liebsten gleich wieder nach Hause, aber stattdessen bin ich, nach einem Überblick der Lage, wieder los und habe groooooße Müllsäcke und Zeugs zum Putzen besorgt. Besonderer Dreck erfordert besondere Maßnahmen. Einmalhandschuhe hatte ich mir von zu Hause mitgenommen. Was war ich froh, dass ich Samstag gerade eine Packung gekauft hatte.

Fünf Stunden später war ich mit Putzen, Müll entsorgen, gewünschte Sachen suchen und einpacken, dem Ableser von der Heizung fertig und machte mich ein weiteres Mal auf den Weg ins Krankenhaus. Von dort ging es zum Kind nach Hause, wo ich wohnen darf.

Das Kind hat ganz wunderbar für uns gekocht, wir haben gemeinsam die Küche geputzt, geschwatzt, Dinge für ihn im Internet bestellt. Alles ganz gemütlich und im Kleinen ganz großartig. Die Zeit mit meinen Kind, die mir die Sache schenkt, ist wirklich toll und streichelt ein bisschen mein Herz und meine Seele. Er freut sich über mich. Meine Mutter kann nicht mal danke sagen. Freut und Leid …

Die Nacht habe im alten Bett des Kindes verbracht und habe, obwohl es mir viel zu weich ist, ziemlich gut geschlafen. Um vier hatte ich ein großes Loch, aber das war nicht schlimm. Ich habe einfach eine Weile den Vögeln zu gehört. Die singen hier ganz anders als zu Hause.
Jetzt sitze ich immer noch im Bett, habe meinen Tütencapu leer, die Waschmaschine läuft – „Mama, kannst einmal Bettwäsche waschen?“ Klar kann ich. Macht die Maschine und die großen Teile sind schnell aufgehangen. Wenn ich den Post fertig geschrieben habe, werde ich mich erheben und das Bad putzen. Habe ich versprochen. Freiwillig. Dafür kocht das Kind kocht heute Abend wieder für uns. Pizza. Der Teig schlummert schon seit gestern Abend im kühlen Schrank.

Es fällt mir schwer, aber ich beende jetzt und stelle mich dem Tag. Ja, das Schreiben war schon so etwas wie eine Flucht … denn das Dazwischen zwischen Ausstehen und Pizza essen und den Abend mit meinem Kind verbringen wird bestimmt nicht so nett. Bin ja auch nicht zur Erholung hier …

… Waschmaschine fertig.